Wochenende für Kinder- und Jugendbetreuer in Sankt Petersburg

15.06.2017
Bezirksapostel Nadolny begrüßt...

Bezirksapostel Nadolny begrüßt...

die Seminarteilnehmer.

die Seminarteilnehmer.

Apostel Bastrikow, Aktschurin und Lasarew

Apostel Bastrikow, Aktschurin und Lasarew

Nach der Ideenfindung im Plenum geht es...

Nach der Ideenfindung im Plenum geht es...

in die Arbeitsgruppen.

in die Arbeitsgruppen.

Fragerunde am Samstagabend

Fragerunde am Samstagabend

Den Abschluss bildet ein gemeinsamer...

Den Abschluss bildet ein gemeinsamer...

Gottesdienst in St. Petersburg.

Gottesdienst in St. Petersburg.

45 Kinder- und Jugendbetreuer, die zuständigen Apostel, Bischöfe und einige Bezirksvorsteher kamen am Freitagabend, 9. Juni 2017, in Sankt Petersburg zusammen. Sie waren aus Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Weißrussland, der Mongolei und aus 13 Kirchenbezirken Russlands in die ehemalige Zarenstadt gereist, um über die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu sprechen und neue Impulse für ihre Aufgabe zu finden. Am Samstag trafen sie sich mit zwei Mitgliedern der Berlin-Brandenburger Fachberatergruppe in Arbeitsgruppen unter dem Thema "Vier Fragen und viele Ideen". Der gemeinsame Gottesdienst am Sonntag beschloss das Arbeitswochenende.

Es gehe an diesem Wochenende darum, zu erarbeiten, wie das Evangelium den Kindern und Jugendlichen zeitgemäß vermittelt werden könne, begrüßte Bezirksapostel Wolfgang Nadolny die Anwesenden. In einem Impulsvortrag stellte er die geistlichen Grundlagen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dar. Er wählte dazu das bekannte Jesuwort "Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes. Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er herzte sie und legte die Hände auf sie und segnete sie." (Markus 10,14-16) Jesus Christus habe sich immer den Schwachen zugewandt, immer wieder darauf hingewiesen, dass man sich um die Hilfebedürftigen kümmern solle.

Gott hilft den Schwachen

Kinder seien zumindest in den ersten Jahren die schwächsten Mitglieder einer Gesellschaft. "Kinder brauchen Hilfe, Beistand und Fürsorge", so der Bezirksapostel. Deshalb wende sich auch Gott ihnen in besonderer Weise zu. Es sei Aufgabe der Kinderbetreuer, den Glauben nicht mit Sanktionen und Drohungen zu vermitteln, sondern die Kinder die Liebe Jesu Christi spüren zu lassen. Letztlich habe Jesus sie in den Mittelpunkt der Gesellschaft gestellt, sogar dazu aufgerufen, wie Kinder zu werden. In vier Punkten charakterisierte Bezirksapostel Nadolny, was Kinder ausmache: "Kinder glauben alles und sie vertrauen". Insbesondere in den ersten Lebensjahren sei das zu beobachten. Dieses Vertrauen könne helfen, den Glauben an Gott zu fördern. Dabei dürften Kinder von ihren Eltern und Lehrern niemals enttäuscht werden. Sonst würde dieses Vertrauen zerstört. "Was wir in die Herzen der Kinder hineinlegen, bleibt das ganze Leben". Kinder suchten die Gemeinschaft - auch über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg, so der dritte Punkt. "Sorgt dafür, dass Kinder Gemeinschaft haben. Die Kinder gehören in den Gottesdienst." Das gelte auch, wenn sie einmal unruhig würden. "Nehmt sie in die Gemeinde." Viertens würden sich Kinder schnell miteinander versöhnen, sie könnten vergeben. Diese Eigenschaften machten sie zu Vorbildern. "Wir sollen werden wie sie. Vergessen wir das nie! Dann finden wir den richtigen Ton und können die Liebe Gottes vermitteln".

Ergebnisse der Arbeitsgruppen

Am Samstag beschäftigten sich die Teilnehmer in vier Arbeitsgruppen mit den Themen "Wie sollte die Kinderbetreuung 'morgen' gestaltet werden?", "Wie kann der Übergang in die Jugend erleichtert werden?", wie könne man die Eltern stärker einbeziehen und was könne die Gemeinde tun, um inaktive Kinder und Jugendlichen zu erreichen.

Für Kinder seien Freundschaften wichtig, erklärte Kathrin Nemitz, Mitglied der Fachberatergruppe Kinder und Jugend des Bezirksapostels. Sie würden in der Kinderzeit beginnen und bestünden auch zwischen älteren und jüngeren. Gemeinsame Aktivitäten wie Gemeindefeste, Kinderfreizeiten, gemeinsame Unterrichte könnten diese Freundschaften vertiefen. Oft würden sie sogar ein ganzes Leben halten. Von Erwachsenen dagegen fühlten sich Kinder "oft nicht wirklich verstanden". Deshalb sei das Einfühlen in ihre Gefühlswelt, in ihre Art zu denken, in ihre Sorgen und Probleme wichtig. Das mache den Zugang zu einem Kind leichter. In deutschen Schulen gelte der Grundsatz: Die Kinder dort abholen, wo sie sich befinden. Kinder müssten in ihren Gedanken und Interessen abgeholt und an das Gemeindeleben herangeführt werden. Dabei könnten zum Beispiel Lesenächte, Kinderfreizeiten oder Bibellesungen helfen, weil sie dann "eine Aufgabe haben und mitgestalten können". Kinder hätten einen vielfältigen, mitunter problematischen Alltag. "Abholen heißt: Zuhören! Das ist für uns Erwachsene manchmal total schwierig", weil man die eigenen Erfahrungen transportieren wolle. "Haben Kinder Fragen, erhalten sie eine ernsthafte Antwort von uns", beschrieb Katrin Nemitz das Ziel. Diese Antwort solle auch immer eine Stärkung des Glaubens ermöglichen. Auch im Unterreicht gelte: Sind die Kinder gedanklich ganz wo anders, müssten die geplanten Themen zurückstehen. Sie müssten merken, mein Lehrer versucht mich zu verstehen.

Jugendliche sind Vorbilder

"In den Gemeinden orientieren sich Kinder oft an den Jugendlichen", erzählte Julia Lux, ebenfalls aus Berlin und Lehrerin. Das sei in Russland sicher nicht anders. Deshalb sei es wichtig, die Jugendlichen auf ihre Rolle als Vorbilder vorzubereiten. Man könne sie beispielsweise als zweiten Lehrer im Religionsunterricht einsetzen, ihnen erste Aufgaben in der Arbeit mit Kindern übertragen. "Jugendliche sind der kürzeste Weg zwischen Erwachsenen und Kindern." Empfindungen, die sie als Kind hatten, sind oft noch frisch. "Jugend weiß, was Kinder bewegt", fasst sie zusammen. Deshalb würden sie sich auch als "Paten" für Kinder oder Konfirmanden eignen. Und den Übergang von Kindheit zur Jugend sollte man in den Gemeinden möglichst fließend gestalten. So sei es denkbar, Konfirmanden bereits an Aktivitäten der Jugend teilnehmen zu lassen oder sie in Arbeiten in der Gemeinde zu integrieren, die von Jugendlichen ausgeführt werden.

Im letzten Teil des Seminars ging um die Umsetzung der mehr als 45 Anregungen, die am Samstagvormittag aus den gesammelten Ideen herausgearbeitet wurden. Sie wurden zeitlich einsortiert, in kurz-, mittel- und langfristig umzusetzende Ideen geordnet. Auffällig war dabei die hohe Anzahl der Ideen, die als kurz- und mittelfristig umsetzbar angesehen werden. Eine Parallelität mit den Veranstaltungen in Berlin-Brandenburg, erzählte Bischof Udo Knispel. Auch dort sei ein ähnliches Ergebnis entstanden: Mehr Ideen für die Gemeinde als für den Kirchenbezirk und umsetzbar in absehbarer Zeit. Viel wichtiger noch als diese Ideen sei aber die Vernetzung derer, die für die Kinder und Jugend sorgen. Und auch das Gefühl "hier kümmert man sich um meine Arbeit in der Gemeinde", die vermittelte Wertschätzung, sei ein Ergebnis des zweitägigen Seminars. Er wünschte sich, dass "die Geschwister den Elan, die Freude, das Engagement mit in ihre Heimatgemeinde nehmen".

Nach dem gemeinsamen Gottesdienst am Sonntag, für den Bezirksapostel Wolfgang Nadolny das Bibelwort des Berlin-Brandenburger Jugendtages verwandte (Matthäus 6,20 - wir berichteten), schloss sich Montag eine Konferenz der Apostel und Bischöfe Russland an. Neben vielen laufenden und regionalen Themen ging es erneut um die Überarbeitung des Amtsverständnisses.

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Text/Fotos: jel

Kategorie: Auslandsgemeinden, Gebietskirche